Ich habe zwei Jahre damit verbracht, Google per Reverse Engineering zu entschlüsseln.
Ich komme aus der Amiga-Szene — der Typ, der verstehen muss, wie ein System von innen funktioniert. Anfang der 2000er ließ mich eine Frage nicht los: Wie entscheidet Google eigentlich, was zuerst rankt? Ich machte mich daran, sie auf die einzige Weise zu beantworten, der ich traute — durch Experimente.
Ich baute rund fünfzig Websites zu einem einzigen Thema und brachte jede einzelne in die Top 100. Dann testete ich, wieder und wieder. Eine Sache auf Website Nummer zehn ändern, warten, beobachten: Fiel sie auf Platz zwanzig, falsche Spur; stieg sie auf Platz sieben, war ich auf etwas gestoßen. Nichts Geniales daran — eine Tabelle, Geduld und zwei Jahre Methode. Am Ende konnte ich mehr oder weniger alles auf die erste Seite bringen. Nach Tausenden Arbeitsstunden hatte das Reverse Engineering funktioniert. Ich hatte 87 präzise Kriterien gefunden, um auf Googles erster Seite zu ranken.
Darauf baute ich mein SEO-Unternehmen auf. Ich habe nie nach Kunden gesucht; mit Top-5-Platzierungen für Tausende von Keywords kamen sie zu mir — und viele sind noch heute da, ein Jahrzehnt später, was im SEO-Geschäft außergewöhnlich ist. Im Kern standen White-Label-Reisevergleichsportale, nach dem Vorbild von Kelkoo, in den frühen Tagen des Online-Reisens: Platz eins bis drei für „voyage Maroc“, „achat billet d’avion“ und Tausende weiterer Suchanfragen, mit Websites auf Französisch, Deutsch, Englisch und Spanisch. Eine meiner Schnäppchen-Websites erreichte 2005 eine Million Unique Visitors pro Monat.
Damals hieß Erster auch Erster — keine Anzeigen über dem natürlichen Ergebnis. Die Oberfläche ändert sich ständig; die Disziplin nicht. Dieselbe Methode, die 2004 Googles Ranking las, richte ich heute auf KI-Antwortmaschinen.
— Benoist Rousseau